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+++ Oktober 2011: Umfahrung Bermatingen auf dem Prüfstand: Landesregierung will nur begonnene Projekte realisieren. "Begonnen" ist ein Projekt, "wenn der Bagger schon da steht." +++ Planänderung für die Umfahrung Markdorf: Umfahrung Markdorf und Umfahrung Bermatingen wurden planungstechnisch getrennt +++

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Bürgerinitiative Bermatingen-Ahausen für ein umweltverträgliches Verkehrskonzept e.V.
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Pressespiegel
(Südkurier vom 18.01.2012)

Südumfahrung: Definitiv kein Geld vor 2014

Viel Wirbel brachte die Aussage des Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Hahn mit sich: Bis 2014 werde es keine Bewilligung von Fördermitteln geben. Der ehemalige Landesverkehrsminister Ulrich Müller warf den Grünen vor, sie seien unehrlich und nehmen die fehlende Finanzierung als Vorwand.

Überhaupt keine Chance für die Südumfahrung Markdorf und in den nächsten zehn Jahren kein Baubeginn für die Umfahrungen Bermatingen und Neufrach: Mit diesen Aussagen hatte der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Hahn am Dienstag in Markdorf eine verkehrspolitische Bombe platzen lassen. Gestern ruderte das von Hahns Parteikollege Winfried Hermann geführte Verkehrsministerium wieder ein wenig zurück.

Sprecher Edgar Neumann zeigte sich auf Anfrage des SÜDKURIER sichtlich bemüht, Hahns Aussagen die Schärfe zu nehmen. Fakt sei, dass seit dem Regierungswechsel mehr Fördermittel aus dem Entflechtungsgesetz (vormals GVFG) in den ÖPNV sowie in Maßnahmen für Radfahrer und Fußgänger gingen. Denn Grün-Rot hatte die Aufteilung geändert, von bislang 60 Prozent für Straßenbau und 40 Prozent für ÖPNV/Rad/Fußgänger auf nun 40 zu 60, womit die Fördermittel für den Straßenbau um ein Drittel geschrumpft sind. Für 2012 und 2013 werde es daher keine Bewilligung von Mitteln für die Südumfahrung geben, egal wie es in Sachen Planungsstand steht.

Ob es danach eine Zuschuss-Chance gibt, bislang sollte das Land 60 Prozent der Kosten in Höhe von rund 18 Millionen Euro übernehmen, müsse man in der Verteilungsrunde 2013/2014 prüfen, sagte Neumann. Diese Einschätzung wiederum deckt sich mit einem Schreiben Hermanns an Landräte und Bürgermeister von Weihnachten, in dem er mitteilt, dass es für neue Straßen in den nächsten zwei Jahren keine GVFG-Mittel geben werde.

„Massive“ Gegenwehr hat Markdorfs Bürgermeister Bernd Gerber, der am Dienstagabend vom SÜDKURIER über Hahns Aussagen erfahren hatte, angekündigt. Auch Bermatingens Bürgermeister Martin Rupp äußerte sich „geschockt“ über die Absage an die OU Bermatingen, sollte sie sich bewahrheiten. Er hätte erwartet, dass die Gemeinden im Vorfeld und direkt informiert geworden wären, kritisierte Rupp. Zumal seine Informationen aus dem Regierungspräsidium andere seien. Dort, so habe man ihm gestern mitgeteilt, werde nach wie vor „mit Hochdruck“ an den Unterlagen zur Planfeststellung gearbeitet.

Noch im Sommer habe der Minister die Notwendigkeit der OU Bermatingen hervorgehoben. Er verlasse sich auf die Aussagen Hermanns, so Rupp, auch vor dem Hintergrund des positiven Bürgerentscheids aus dem Jahr 2003.

Diese Hoffnung dämpfte gestern aber Ministeriums-Sprecher Neumann: Inwieweit das Impulsprogramm realisiert werde, könne man derzeit nicht sagen. Denn der „Kassensturz“ habe ergeben, dass auch dieses Programm nicht „vollständig durchfinanziert“ sei. Zudem sei die OU Bermatingen das planerisch am wenigsten fortgeschrittene der vier Vorhaben im Programm. Die Frage nach dem Geld lasse sich jetzt nicht beantworten. Man müsse „nochmals drüberschauen“, wenn die Umfahrung baureif sei.

„Menschenverachtend“ und „unehrlich“: Harte Geschütze gegen Hahn fährt dessen CDU-Kollege Ulrich Müller auf. Müller, von 1998 bis 2004 selbst Landesverkehrsminister gewesen, sagt, Hahns Aussage, dass es eine verbindliche Zusage der Förderung der Südumfahrung auch zu Zeiten von Schwarz-Gelb nicht gegeben habe, sei schlicht falsch.

Er selbst habe als Minister im Frühjahr 2004 den Beschluss getragen, sie ins GVFG-Programm aufzunehmen. Dort sei sie seither enthalten. Der Zuschuss wäre unter Schwarz-Gelb definitiv geleistet worden, sobald die Baureife vorgelegen hätte. „So wie wir das auch im Falle der Nordanbindung der Messe Friedrichshafen gemacht haben."

„Menschenverachtend“ sei die grüne Linie, weil sie die Bürger im Kreis, die durch die Umfahrungen hätten entlastet werden sollen, weiter leiden ließen. Die Wahrheit sei, so Müller, dass es nicht am Geld fehle: „Die Grünen sollen sagen, wir wollen die Umfahrungen nicht. Alles andere ist falsch und unehrlich.“ Abgesehen davon hätte die Regierung sich den Geldhahn selbst abgedreht, mit der Umkehrung der Mittel-Gewichtung im GVFG-Topf. Müllers letzten Vorwurf hatte Hahn am Dienstag indes selbst bereits entkräftet: „Wir Grünen im Kreis haben die Südumfahrung von Anfang an bekämpft, weil sie zum einen ein Torso und zum anderen eigentlich eine Bundesstraße ist.“


 
Ortsumfahrung wieder auf dem Prüfstand PDF Drucken E-Mail
(Südkurier vom 22.09.2011) 

Ortsumfahrung wieder auf dem Prüfstand

Nur durch ersten Spatenstich gälten aus Sicht der Landesregierung Bauarbeiten als begonnen

Markdorf (keu) Die Ortsumfahrung Bermatingen ist wieder in Frage gestellt – zumindest deren „schnelle“ Realisierung: So lautet das Ergebnis einer kleinen Anfrage im Landtag auf Basis eines Schreibens von Bürgermeister Martin Rupp, die einige Gemeinderäte schockierte.

Mit dem Wechsel in der Landesregierung stand der Bau der Ortsumfahrung bereits auf wackligen Füßen. Damals hieß es, alle begonnenen Maßnahmen im Straßenbau würden fortgeführt, alle anderen auf den Prüfstand gestellt. Rupp ging davon aus, dass die Umfahrung durch Planungsstand und Zusicherung der Finanzierung quasi schon auf dem Weg war. Die Landesregierung sehe das, so Rupp, anders. Sie definiere „begonnen“ so aus: Nur dort, wo bereits der Spatenstich erfolgt sei und die Bagger stünden, werde das auch zu Ende gebracht. Rupp: „Das war schon ein Schlag, das hat uns überrascht.“

Fatal auch für zwei Drittel der Bermatinger, die 2003 in einem Bürgerentscheid für die Umfahrung gestimmt hatten. Rupp gibt die Hoffnung jedoch nicht auf: „Wir gehen davon aus, dass die 40 Millionen Euro aus dem Impulsprogramm nach wie vor zur Verfügung stehen“, stützt er sich auf die Antwort auf die kleine Anfrage. Von den 40 Millionen Euro waren rund zehn Millionen für Bermatingen vorgesehen. Man werde die Landesregierung auch daran messen, wie sie die Zusagen ihrer Vorgängerregierung einhalte, zumal die Entscheidung mit dem Bürgerentscheid auf einen demokratischen Beschluss beruhe. Man werde weiter Druck machen.

Hoffnung macht auch ein Absatz, in dem es heißt, dass Landesstraßen künftig nur noch in begründeten Fällen realisiert werden. Kriterien sind hier verkehrliche Notwendigkeit, Flächenverbrauch, Umweltbelange sowie Entlastungswirkung. Vielleicht wird auch Verkehrsminister Winfried Hermann die Notwendigkeit erkennen, wenn er seinen abgesagten Besuch nachholt.

Vor diesem Hintergrund („Wir werden zur Hinterlandtrasse“) plädierte Carola Uhl (CDU) für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen innerorts mit Zone 30, kleinem Kreisverkehr, Ampelanlage am Rathaus – Vorschläge, die die Bürgerinitiative für ein umweltverträgliches Verkehrskonzept seit Jahren fordert. Carola Mahler (LBU) dankte der Ratskollegin und den Freien Wählern mit ironischem Unterton für die jetzige „Unterstützung“ der Vorschläge, für die sie jahrelang ausgelacht worden sei.

Gemeinderat Franz Kutter (FW) war von der Information Rupps „ein bisschen geschockt“. Herbert Grau (SPD) meinte, man dürfe die neue Regierung nicht verantwortlich machen. Das Regierungspräsidium habe in acht Jahren keine Planung zustande gebracht. Zudem könne es nicht sein, dass auf der Bundesstraße in Hagnau nur noch 30 gefahren werden dürfe, dies auf der Landesstraße jedoch nicht möglich sei. Zudem fordert er ein Nachtfahrverbot für LKW über 7,5 Tonnen von 20 bis 6 Uhr.


 
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"Sinn und Unsinn von Ortsumfahrungen"(2:01 min)